Verein der Freunde
Eine europäische Sprache im Wandel – ein realistischer Blick auf das Deutsche im 21. Jahrhundert. (Prof. Dr. Ludwig M. Eichinger)
Am 21. Mai 2026 sprach Prof. Dr. Ludwig M. Eichinger, ehemaliger Direktor des Instituts für Deutsche Sprache in Mannheim, auf Einladung des Vereins der Freunde des KFG über den Wandel der deutschen Sprache und ihre gegenwärtige wie künftige Bedeutung. Ausgangspunkt waren die Fragen, wie es der deutschen Sprache gehe und ob ihre Entwicklungen überwiegend Verluste darstellten. Eine negative Deutung liege etwa angesichts zahlreicher Entlehnungen, vor allem aus dem Englischen, der nachlassenden Verbindlichkeit grammatischer Regeln und verkürzter Sätze in der digitalen Kommunikation nahe; als Ursachen nannte er technische sowie gesellschaftlich-politische Entwicklungen, darunter die Debatte um gendergerechte Sprache.
Dem stellte Eichinger gegenüber, dass sich für eine gendergerechte Sprachgestaltung formale und kreative Lösungen finden, dass der deutsche Wortschatz im 20. Jahrhundert um etwa ein Drittel gewachsen ist, ohne überwiegend aus Entlehnungen zu bestehen, und dass das Deutsche als Erst- und Zweitsprache im europäischen Raum weit verbreitet ist. Er folgerte, dass der Sprache eine große Anpassungsfähigkeit zuzusprechen sei und ihre Sprecherinnen und Sprecher im Kern mit ihr zufrieden seien. Nach der Beantwortung von Fragen aus dem Publikum klang der Abend im kleinen Lehrerzimmer bei Getränken und Gebäck aus.
Über uns: Was macht der Verein der Freunde des Kurfürst-Friedrich-Gymnasiums?
Der Verein der Freunde des Kurfürst-Friedrich-Gymnasiums e. V. wurde im Jahre 1953 von ehemaligen Schülern gegründet in der Absicht, die Schule finanziell zu unterstützen. Im Augenblick hat der Verein ca. 550 Mitglieder, meist Eltern der Schüler oder Ehemalige. Der Mitgliedsbeitrag von jährlich 20€ wird von vielen Mitgliedern erheblich überschritten, so dass der Verein mit Hilfe dieser Spenden und Beiträge in der Lage ist, die Schule jährlich mit ca. 25.000 € zu unterstützen.
Was macht das Kurfürst-Friedrich-Gymnasium mit dieser Zuwendung? Der Jahresetat des Vereins umfasst knapp 30 Posten. Die wichtigsten seien genannt:
- Die Fachabteilungen der Schule werden in die Lage versetzt, Dinge anzuschaffen, die der Schulträger nicht bezahlt, die aber für ein anspruchsvolles Unterrichtsangebot dringend erforderlich sind.
- Die Arbeitsgemeinschaften der Schule werden gefördert.
- Ein großer Posten wird für die Schülerbeihilfe aufgebracht, d.h. für finanzielle Unterstützung von Schülern bei Landheimaufenthalten oder Studienfahrten.
- Der Verein finanziert den Jahresbericht der Schule, der alle Ereignisse des Schullebens mit Texten und Fotos dokumentiert.
Der Verein der Freunde unterstützt die Schule nicht nur finanziell. Es ist zur Tradition geworden, dass im Anschluss an die Mitgliederversammlung der Verein einen öffentlichen Vortrag anbietet. Für diese Vorträge konnten meist Ordinarien der Universität gewonnen werden, u. a. Thomas Fuchs, Till Bärnighausen, Diamantis Panagiotopoulos, Jan Assmann und Christoph Spengel. Diese Vorträge werden auch von Oberstufenschülern gut besucht, die damit Gelegenheit haben, mit spannenden Themen vertraut zu werden und glanzvolle Rhetorik kennen zu lernen.
Der Verein der Freunde trägt dazu bei, dass eine gute Schule noch besser wird. Es ist zu wünschen, dass immer mehr Eltern sich aus einem Akt der Solidarität für die Mitgliedschaft entscheiden!
Der Vorstand des Vereins der Freunde
1. Vorsitzender: Dr. Alexander von Holst
2. Vorsitzende: Anke Lohrbächer-Reiser
Schatzmeisterin: Dr. Antje Meiser
1. Schriftführer: Christian Störzer
2. Schriftführer: Simon Schwab
Kontakt zum Verein der Freunde
Verein der Freunde des Kurfürst-Friedrich-Gymnasiums
Neckarstaden 2
69117 Heidelberg
Tel.: 06221 5832150 (Sekretariat des KFG)
E-Mail: vdf@kfg-heidelberg.de
Werden auch Sie Mitglied im Verein der Freunde!
Wir helfen nicht immer, aber immer öfter, wenn auch Sie Mitglied im Verein der Freunde des Kurfürst-Friedrich-Gymnasiums werden. Der Mindestmitgliedsbeitrag (inkl. Jahresbericht des Kurfürst-Friedrich-Gymnasiums) beträgt 20 € pro Jahr und ist steuerlich absetzbar.
Unsere Kontoverbindung:
IBAN: DE05 6729 1700 0008 4366 06
BIC: GENODE61NGD (Volksbank Heidelberg-Neckartal eG)
Das Beitrittsformular [PDF] und die Datenschutzerklärung [PDF]
können hier heruntergeladen werden oder sind im Sekretariat der Schule erhältlich.
Rückblick auf die Vortragsreihe des Vereins der Freunde
Der Fall des Schinderhannes – ein Vortrag über Provenienzforschung an Skeletten der Anatomischen Sammlung Heidelberg (Dr. sc. hum. Sara Doll)
Am 21. Mai 2025 sprach Dr. Sara Doll, Präparatorin und Kuratorin der Anatomischen Sammlung Heidelberg, im Dachgeschoss des Kurfürst-Friedrich-Gymnasiums im Rahmen der vom Verein der Freunde organisierten Vortragsreihe über die Frage, ob das Skelett, das über Generationen als jenes des Räubers Johannes Bückler, genannt „Schinderhannes“, galt, tatsächlich diesem zuzuordnen ist. Sie kombinierte Isotopenanalysen, anthropologische Untersuchungen und DNA-Analysen, wobei die genetischen Daten mit der Probe eines heute lebenden Nachfahrens abgeglichen wurden. Das Ergebnis: Das bislang als „Schwarzer Jonas“ geführte Skelett stimmt mit den genetischen Daten des Schinderhannes überein, die beiden Skelette waren somit seit mehr als 200 Jahren vertauscht.
Offen bleibt, wessen Gebeine bisher als die des Schinderhannes galten und wo sich die Überreste des „Schwarzen Jonas“ befinden. Doll wies darauf hin, dass solche Verwechslungen in der Geschichte der Anatomie nicht selten waren, da zahlreiche Körper ohne eindeutige Dokumentation in die Institute gelangten; die Provenienzforschung diene dazu, historische Irrtümer zu korrigieren und den Umgang mit menschlichen Überresten ethisch zu verantworten. Beim anschließenden Umtrunk diskutierten die Zuhörerinnen und Zuhörer die vorgestellten Fälle mit der Referentin.
Kleine Arschlöcher, große Arschlöcher: Wann ist Narzissmus noch gesund? (Dr. med. Pablo Hagemeyer)
Narzissmus, eine Art von überzogener Selbstverliebtheit, entwickelt sich zu einem gängigen Phänomen unserer Gesellschaft und einem Thema, das viele Menschen interessiert und fasziniert – und zwar aus zwei Perspektiven: aus der Perspektive des Narzissten selbst und aus der Perspektive derjenigen, die mit Narzissten zusammenleben oder arbeiten.
Wie aber identifizieren wir Menschen mit narzisstischen Persönlichkeitszügen in unserem Umfeld? Welche Formen und Ausprägungen gibt es? Wann werden narzisstische Charakterzüge gefährlich und wie können wir mit einem Narzissten umgehen, der andere Menschen manipuliert, aussaugt und zerstört?
In einem sehr interessanten, anekdotisch und humorvoll gestalteten Vortrag gab Dr. Pablo Hagemeyer – Psychiater, Psychotherapeut und selbst bekennender Narzisst – Antworten auf gängige Fragen rund um das Thema Narzissmus. Er differenzierte u. a. zwischen vulnerablen und grandiosen, netten und toxischen Narzissten und eröffnete Einblicke in aktuelle Forschungstendenzen.
Dabei wurde deutlich: Ein Narzisst hat ein extrem negatives Selbstbild und damit das Problem, seinen Selbstwert über innere und äußere Prozesse zu definieren. Diese schwache Seite will er mit einem positiven Bild verdecken und sucht daher um jeden Preis die Aufmerksamkeit, Anerkennung und Unterstützung anderer Menschen – notfalls auch manipulativ und zerstörerisch. Gleichzeitig kann normaler Narzissmus positive Eigenschaften haben und somit „gesund“ sein: Lebensenergie, Leidenschaft, hohe Handlungsorientierung, großes Durchsetzungsvermögen oder hohe Leistungsbereitschaft. Doch man muss wissen, welches Maß gut für einander ist.
In der Diskussion und beim anschließenden Umtrunk ergab sich für alle interessierten Zuhörerinnen und Zuhörer die Gelegenheit, die Inhalte und Impulse aus dem Vortrag zu vertiefen.
Steuerräuber im Nadelstreifenanzug und Politikversagen: Cum/Ex, Cum/Cum und Cum/Fake (Prof. Dr. Christoph Spengel)
Nach drei Jahren der Einschränkungen durch die Pandemie konnte der Verein der Freunde des Kurfürst-Friedrich-Gymnasiums in Heidelberg am 10. Mai 2022 endlich wieder zu einem öffentlichen Vortrag einladen. Herr Prof. Dr. Christoph Spengel, international renommierter Steuerexperte und Inhaber des Lehrstuhls für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Betriebswirtschaftliche Steuerlehre II an der Universität Mannheim, konnte dafür gewonnen werden.
In einem äußerst spannenden Vortrag zeigte Herr Prof. Dr. Spengel die Unterschiede zwischen den genannten, illegalen Steuerpraktiken auf. Er erklärte deren Abläufe und legte anschaulich die Gründe dar, weshalb diese Geschäfte so lange bestehen konnten, obwohl dadurch ein immenser Steuerschaden für Deutschland entstand. Die juristische und politische Aufarbeitung dieses Steuerskandals kommt bisher nur sehr langsam voran: Nur einige wenige der Beschuldigten sind tatsächlich verurteilt, nur ein geringer Prozentsatz des geraubten Geldes ist zurückerstattet worden. Die angeregte Diskussion im Anschluss des Vortrags bewies das große Interesse der Zuhörerschaft an diesem Thema, das noch lange nicht als abgeschlossen gelten kann.
Die Achsenzeit – eine Archäologie der Moderne (Prof. Dr. Dr. hc Jan Assmann)
Um das 6. Jahrhundert v. Chr. traten in verschiedenen Kulturräumen der Welt unabhängig voneinander Philosophen und Propheten auf, die das bisherige mythische Denken überwanden: Konfuzius und Laotse in China, Buddha in Indien, Zarathustra in Persien, die Propheten des Alten Israel und die vorsokratischen Philosophen in Griechenland. Diese Zeit wurde von dem Philosophen Karl Jaspers "Achsenzeit" genannt.
Der Ägyptologe und Kulturwissenschaftler Jan Assmann, ehemaliger Schüler des Kurfürst-Friedrich-Gymnasiums und Träger des Friedenspreises des deutschen Buchhandels 2018, stellte im Mai 2019 in einem faszinierenden Vortrag dar, wie Historiker und Philosophen seit der Aufklärung die erstaunliche Gleichzeitigkeit der Achsenzeit-Kulturen erklärt und in der Achsenzeit die geistigen Grundlagen der Moderne gesucht haben. Bei dem anschließenden Umtrunk in der Mensa des Kurfürst-Friedrich-Gymnasiums wurden die Inhalte und Diskussionsimpulse vertieft.
Archäologie im 21. Jahrhundert (Prof. Dr. Diamantis Panagiotopoulos)
Prof. Dr. Diamantis Panagiotopoulos, Direktor des Instituts für Klassische Archäologie der Universität Heidelberg, sprach im Rahmen der Vortragsreihe des Vereins der Freunde über "Archäologie im 21. Jahrhundert". In einem interessanten und unterhaltsamen Vortrag thematisierte er im Mai 2018 die Herausforderungen und Stärken der archäologischen Wissenschaften in der gegenwärtigen Zeit und betonte deren Bedeutung für die heutige Gesellschaft.