Briefe gegen das Vergessen – eine szenische Lesung über das Schicksal der Familie Oppenheimer
Briefe, Bilder und Stimmen machen Geschichte lebendig – und zeigen, warum Hinschauen heute zählt
Am Freitag, den 23. Januar 2026, fand am KFG eine szenische Lesung statt, organisiert von der AG „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. In diesem Schuljahr war die Lesung eingebettet in das Projekt „Make a Play against Racism“.
Zur Lesung eingeladen waren die Klassen 10a, 10b und 10d sowie die 9d. Im Mittelpunkt stand das Schicksal der jüdischen Familie Oppenheimer – und damit eine Geschichte, die unsere Schule unmittelbar berührt: Hans und Max Oppenheimer waren selbst Schüler am KFG. Gerade dieser Bezug macht deutlich, dass Ausgrenzung und Verfolgung nicht „weit weg“ passiert sind, sondern mitten in unserer Stadt und auch in unserer Schulgeschichte.
Die Lesung erzählte von einem Leben, das durch den Nationalsozialismus Schritt für Schritt zerstört wurde: Rositta Oppenheimer (geb. Kramer) stammte aus Walldorf, ihr Mann Leopold aus Dossenheim. Die Familie lebte zeitweise in Heidelberg; später war sie mit der Rauchtabakfabrik Ebner & Kramer verbunden, die Leopold gemeinsam mit dem Bruder seiner Frau leitete. Max konnte 1938 nach England emigrieren. Rositta, Leopold und Hans wurden 1940 – wie fast alle badischen Jüdinnen und Juden – in das französische Internierungslager Gurs deportiert. Diese Stationen sind historische Fakten, aber in der Lesung wurden sie durch persönliche Zeugnisse zu etwas, das man nicht einfach „abhaken“ kann.
Besonders eindrücklich war, wie die Geschichte erzählt wurde: Grundlage war eine umfangreiche Sammlung aus Briefen, Fotos, Dokumenten und persönlichen Aufzeichnungen. Durch die gelesenen Rollen und die begleitende Bildershow entstand ein sehr konkretes Bild vom Alltag, von Hoffnungen und Ängsten – und davon, wie schnell ein Leben durch Entrechtung und Gewalt in eine völlig andere Richtung gedrängt werden kann. Viele Schülerinnen und Schüler erlebten dabei, wie stark Originaltexte wirken: nicht, weil sie dramatisiert werden, sondern weil sie in ihrer Nüchternheit und Nähe erschüttern.
Musikalisch wurde die Veranstaltung von Leni Zhu (Kl. 10b) am Klavier und Aika Amakawa (Kl. 8b) an der Violine begleitet. Die klassische Musik setzte dabei leise, aber präzise Akzente: Sie schuf Pausen zum Nachdenken, verband einzelne Szenen und verlieh dem Gehörten einen Rahmen.
Im Anschluss gab es Gelegenheit zum Austausch: In der offenen Gesprächsrunde konnten Schülerinnen und Schüler Fragen stellen, Eindrücke teilen und überlegen, was Erinnerung heute bedeutet. Genau darin liegt der Sinn dieser Lesung: Sie ist nicht nur Rückblick, sondern Teil einer lebendigen Erinnerungskultur am KFG – und sie passt deshalb in das Projekt „Make a Play against Racism“. Wer die Mechanismen von Ausgrenzung und Antisemitismus in der Geschichte versteht, erkennt sie eher im Alltag – und kann klarer Haltung zeigen, wenn Menschen herabgewürdigt, ausgeschlossen oder angegriffen werden.