Literatur und Theater

Literatur und Theater als Wahlfach in der gymnasialen Kursstufe

Das Wahlfach Literatur und Theater ist Teil des sprachlich-literarisch-künstlerischen Aufgabenfeldes der gymnasialen Kursstufe. Es verbindet die Auseinandersetzung mit literarischen Texten und theatrischen Formen mit eigener künstlerischer Praxis. Grundlage ist ein erweiterter Textbegriff, der neben dramatischen Texten auch performative, mediale und szenische Ausdrucksformen umfasst.

Der Unterricht ist projekt- und prozessorientiert angelegt. Rezeption und Produktion greifen ineinander: Texte werden analysiert und für die Bühne erschlossen, zugleich entstehen eigene Texte, Szenen und Inszenierungen. Die Arbeit erfolgt überwiegend im Ensemble und mündet in Präsentationen, die von Werkstattformaten bis zu öffentlichen Aufführungen reichen.

Inhaltlich verbindet das Fach theaterpraktische Arbeit in den Bereichen Schauspiel, Dramaturgie und Inszenierung mit reflektierenden Anteilen zu Theatergeschichte, Theatertheorie und Aufführungsanalyse. Dabei werden sowohl klassische als auch zeitgenössische Theaterformen berücksichtigt.

Literatur und Theater eröffnen Räume zur Auseinandersetzung mit kulturellen, gesellschaftlichen und existenziellen Fragestellungen. Das Fach fördert Ausdrucksfähigkeit, Kooperationsbereitschaft und Reflexionsvermögen und leistet damit einen wesentlichen Beitrag zur Persönlichkeitsbildung und zur kulturellen Teilhabe der Schülerinnen und Schüler.

Wo ist Shakespeare? Ein Literatur- und Theaterabend der J1 und J2

"Ich kann jeden leeren Raum nehmen und ihn eine nackte Bühne nennen. Ein Mensch geht durch den Raum, während ihm ein anderer zusieht; das ist alles, was zur Theaterhandlung notwendig ist."

Ausgehend von diesem berühmten Zitat von Peter Brook wollte der Literatur-und Theaterkurs der J1 und J2 (Leitung: Herr Bentz) neue Spielräume an unserer Schule erkunden. Die zentrale Frage bei der Vorbereitung unseres Präsentationsabends lautete deshalb: "Was könnte sich hier abspielen, wenn mal davon absieht, dass wir in unserer Schule sind?"

Und plötzlich eröffneten sich völlig neue Raumerfahrungen. Gerade das altehrwürdige KFG-Gebäude mit all seinen versteckten Ecken und Winkeln bietet hierfür interessante Möglichkeiten. So konnten die einzelnen Darsteller bzw. Darstellergruppen vom je ganz speziellen Raum ausgehend Spielszenen entwickeln, in der der Spielort nicht nur Kulisse, sondern integraler Bestandteil der szenischen Darstellungen wird. Beispielsweise bot das Kellergewölbe mit seiner besonderen Akustik eine Bühne für Louise Lallas Heimkehr-Monolog aus Schillers "Räuber" sowie Marie Hallers und Julie Reimers intensive dialogische Darstellung eines selbst verfassten Textes.


Die Zuschauer waren dabei immer ganz nah und unmittelbar am Geschehen beteiligt, was die Intensität der Darstellung hör- und fühlbar machen sollte. So folgte das interessierte Publikum auch den weiteren Darbietungen, die sich durch das ganze Schulgebäude erstreckten. Zu sehen waren u.a. eine Dada-Performance von Robin Schaugg (im Kasten über einem Türrahmen), eine lautstarke "Dichterbeschimpfung" von Megan Orb im Treppenhaus sowie eine "Stille"-Szene im obersten Gang, die die Zuschauer kurz innehalten ließ, bevor man schließlich gemeinsam im Zeichensaal landete, wo eine Performance des gesamten Kurses mit Masken und chorischem Sprechen ("Konjugation der Macht", choreographiert von Clara Schiltenwolf und Nika Sohani) das einstündige Theaterexperiment beendete. 

Die leitmotivische Frage des Abends, "Wo ist Shakespeare?", fand übrigens zum Schluss eine überraschende Antwort. Halten Sie also die Augen offen, wenn Sie das nächste Mal durchs KFG-Gebäude gehen; hier gibt es noch einiges zu entdecken...

Text: Ralf Bentz, Leiter des Theater- und Literaturkurses